Interview
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Im Gespräch: Volkswagen-Mitarbeiter Carsten Otto über den Amarok und die Dakar.

Eine beeindruckende Zahl: 45 Amarok fahren bei der Dakar 2011 mit. Sowohl die Rallye-Organisation A.S.O. als auch das Volkswagen Motorsport Team greift auf die Dienste des Pickup zurück. Wie der Amarok eingesetzt wird, verrät Carsten Otto. Er arbeitet bei Volkswagen im Bereich Entwicklung – Sonderfahrzeuge.
Herr Otto, Sie sind bei Volkswagen Nutzfahrzeuge im Bereich Entwicklung - Sonderfahrzeuge tätig und verantwortlich für die Koordination im Rahmen der Rallye Dakar. Wie bereiten Sie sich persönlich auf die Dakar 2011 vom 1. Bis 16. Januar vor? Wie sieht zurzeit, ein paar Wochen vor Beginn der Rallye, Ihr Tagesablauf aus?
Die Vorbereitung laufen bereits seit mehreren Wochen, in Wolfsburg, in Hannover sowie in Argentinien. Mein Tagesablauf ist nicht gerade stressfrei – Fahrzeugcheck, Ersatzteile organisieren, Abstimmung mit der A.S.O., dem Rallye-Veranstalter, und mit Argentinien – und das bei der fünfstündigen Zeitverschiebung. Ein großes Lob geht an die Mechaniker, die die Fahrzeuge für den Einsatz in Argentinien und Chile vorbereiten.
Der Amarok dient nicht nur als Servicefahrzeug für das Volkswagen-Team, wie schon 2010 ist er auch das offizielle Begleitfahrzeug der Rallye. Was hat Ihrer Meinung nach für die Organisatoren den Ausschlag gegeben, sich erneut für den Amarok zu entscheiden?
Der Amarok ist bei der Rallye 2010 ohne technische Probleme, mit geringem Wartungsaufwand und nur wenigen Reparaturen durchgelaufen. Und die ausschließlich positive Resonanz derjenigen, die einen Amarok fuhren – Mitglieder der A.S.O. und Pressevertreter – hat mit Sicherheit auch dazu beigetragen.
Die Rallye Dakar gilt als die härteste Rallye der Welt. Dem Amarok scheint diese Belastung aber gar nichts auszumachen: Als Begleit- und als Servicefahrzeuge kommen exakt dieselben Fahrzeuge zum Einsatz, die auch im Januar 2010 dabei waren. Steckt der Amarok einen solchen Härtetest so locker weg?
Der Amarok ist ein robustes Fahrzeug. Aus den Erfahrungen der Rallye Dakar 2010 heraus bestehen überhaupt keine Bedenken, dass diese Fahrzeuge den Einsatz erneut ohne Probleme durchstehen.
Wie viele Amarok werden bei der Rallye Dakar dabei sein und wie werden Sie genau eingesetzt?
Es werden 45 Amarok im Einsatz sein. Wir unterscheiden zwischen Onroad- und Offroad-Fahrzeugen. Der größte Teil sind Onroad-Amarok, auch Service Cars genannt. 30 Fahrzeuge werden vom Veranstalter genutzt – für die Eröffnungsfeier in Buenos Aires, die Organisation während der gesamten Rallye, das Marketing, für die Ärzte, für Fahrten zu den Checkpoints, für Fernsehteams und die anderen Vertreter der Presse. Darunter sind auch sechs Amarok, die der Rallye auf der Rennstrecke hinterherfahren, aber nicht im Renntempo. Diese Fahrzeuge nennen wir „die Besenfahrzeuge“, die die Wüste „fegen“, also reinigen. Es haben sich für dieses Mal auch einige europäische Fernsehsender, z. B. Eurosport und RTL, einen Amarok gewünscht. 15 Fahrzeuge werden vom Volkswagen Motorsport-Team für Presse und VIP-Gäste genutzt, beispielsweise für Vorstandsmitglieder von Volkswagen, Peter Maffay und die Scorpions.
Was sind die größten Herausforderungen, denen sich der Amarok bei der Dakar 2011 stellen muss?
Auch in diesem Jahr werden die Amarok wieder 9.000 km zurücklegen, auf Straßen und im Gelände. Die Strecke führt erneut durch die Atacama-Wüste, die trockenste Wüste der Welt. Und auch die Anden müssen wieder überquert werden, schon in der ersten Hälfte der Rallye geht es da auf 4.800 Meter hinauf. Gegen Ende der Rallye steht dann noch mal eine Fahrt durchs Hochgebirge an. Es wird nicht nur Höhenluft geben, sondern auch Hitze. Und viel Sand. Alles in allem sehr schwierige Bodenverhältnisse und extreme klimatische Bedingungen. Allerdings muss sich der Amarok keinen unbekannten Herausforderungen stellen, denn schließlich ist er „Tested by Dakar“.
Wie bereiten Sie die Fahrzeuge auf diese Aufgaben vor? Oder anders gefragt: Was unterscheidet einen Amarok, der bei der Dakar mitfährt, von einem Amarok, wie er in Argentinien vom Band läuft?
Im Grundsatz sind die Fahrzeuge Serienfahrzeuge. Für den Rallyeeinsatz muss der Amarok den Sicherheitsbestimmungen der A.S.O. entsprechen. Unter anderem müssen die Fahrzeuge teilweise Überrollkäfige, 6-Punkt-Gurte und Rennsitze, Sandbleche und Ersatzräder sowie auch unter den Streckenbedingungen der Dakar eine Reichweite von 800 km haben. Außerdem müssen die Amarok natürlich noch optisch vorbereitet und mit den Schriften und Logos beklebt werden, die für die Rallye nötig sind.
Die Dakar startet am 1. Januar. Wann genau geht es für Sie los? Wann fliegen Sie nach Argentinien und was genau wird Ihre Aufgabe vor der Rallye sein?
Wir werden Anfang Dezember 2010 in Argentinien ankommen und die Fahrzeuge an die A.S.O. übergeben. Nicht nur die Fahrzeuge, die wir jetzt in Deutschland hatten, müssen vorbereitet werden: Auch die Amarok, die nach ihrem Einsatz bei der Dakar 2010 in Argentinien geblieben sind, werden wir noch mal durchchecken und für die Rallye startklar machen, inklusive der Beklebung. Die Amarok, die an die A.S.O. gehen, werden während der Rallye von A.S.O.-Mitarbeitern gefahren. Für diese Fahrer führen wir in Cordoba auch noch eine kurze Schulung durch. Dann stehen noch die Rallye-Vorbereitungen für uns, das Amarok Team, an. Wir müssen uns mit der Route vertraut machen, die Abläufe planen und unsere Fahrzeuge mit allem beladen, was wir unterwegs benötigen könnten.
Wie sieht ein typischer Renntag für Sie persönlich aus? Wie ist Ihr Tagesablauf?
Einen typischen Renntag wird es nicht geben, jeder Tag ist ein neuer Tag, der Überraschungen bringen wird – mal mehr, mal weniger. Für die Begleitfahrzeuge geht die Rallye sehr früh los, zwischen 4 und 4.30 Uhr. Gegen 15 Uhr ist die Fahrt zu Ende und das Biwak wird aufgebaut. Danach haben wir zwei Stunden Zeit, um zu essen, zu duschen und uns ein wenig zu erholen. Wenn die Fahrzeuge dann im Biwak ankommen, legen wir wenn nötig richtig los.
Was waren 2010 Ihre beeindruckendsten Erlebnisse bei der Rallye? Gab es schwierige Momente? Was hat Ihnen am besten gefallen?
Beeindruckend ist der Gesamteindruck, mir fehlen die Worte. Jeder ist mit Begeisterung und Leidenschaft dabei. Dazu kommen die interessanten Strecken, die unterschiedlichen Landschaften und Menschen. Die Begeisterung vor Ort ist der absolute Hammer, man fühlt sich fast selbst wie ein Rennfahrer.
Worauf freuen Sie sich am meisten?
Auf die Race-Trucks, so was habe ich noch nie erlebt. Ein LKW, der fährt wie ein Rennwagen.
Wenn am 16. Januar die Dakar 2011 in Buenos Aires beendet wird, was werden Sie dann tun? Wie sieht Ihre Arbeit nach der Rallye aus?
Das Allererste – wir trinken erst einmal gemeinsam ein Bier oder auch zwei. Dann endlich mit der Heimat telefonieren und nach dem Abenteuer mal „alle Fünfe grade sein“ lassen.